Veranstaltungsberichte
16.02.2025 Winterwanderung
Bei klirrender Kälte und strahlendem Sonnenschein trafen wir uns am Sonntag den 16.02.2025 auf dem Sportplatz Berghausen zu unserer traditionellen Winterwanderung.
Dieses Jahr führte uns Förster Karl-Walter Jung durch den klirrenden Wald. Thema dieses Jahr war die Geschichte des „gemischten Waldes“. Karl-Walter Jung hat dazu einen Rundweg ausgesucht auf dem man auf an einer Vielzahl unterschiedlicher Baumarten vorbeikommt und die geschichtliche Entwicklung des Waldes gut nachvollziehen kann. Die Entwicklung unseres Waldes wurde sowohl durch die klimatische als auch die zivilisatorische. Hier in Mitteleuropa haben wir es mit einer eher geringen Diversität an Baumarten zu tun haben. Eine wesentliche Ursache dafür sind die Alpen, die aufgrund ihrer Querlage während der letzten Eiszeit unser Land in den Kältegriff genommen und ein Ausweichen des Waldes nach Süden verhindert haben. Während der Eiszeit war der schmale Streifen eisfreien Landes praktisch baumlos. Nach der Eiszeit wanderten die Baumarten wieder von den Seiten und über die Alpen zu. Zunächst die Pionierbäume wie Birke, Erle, Esche, Waldkiefer, danach dann Buchen, Eichen und andere Laubbäume.
Eine weitere Überraschung war für mich, dass die Fichte hier nicht natürlich verbreitet ist. Die Fichte wuchs vorzugsweise in den Alpen, und den höheren Lagen der Mittelgebirge, also im Schwarzwald, Böhmerwald, Harz. Sie wurde in unseren Wäldern erst spät aufgrund ihrer hervorragenden Eignung als Bauholz und ihres raschen Wuchses forstwirtschaftlich in großem Stil angepflanzt. Neben den klimatischen Änderungen hat der Mensch den Wald in unserer Gegend seit Jahrhunderten wesentlich gestaltet. In zwei großen Rodungsperioden vor dem 8. Jahrhundert und zwischen dem 8. und 14.Jahrhundert ging der Waldflächenanteil z.B. in Berghausen und Ehringhausen auf 50% zurück, deutschlandweit sogar auf 30%. Seit diesen großen Rodungsperioden ist der Waldflächenanteil nahezu unverändert.
Schon den Altvorderen war die Bedeutung einer nachhaltigen Waldnutzung bewusst. Dabei wurden aus Unkenntnis, wirtschaftlichen Zwängen oder schierer Not auch Entscheidungen getroffen die sich im Nachhinein als ungünstig für die Waldentwicklung herausstellten, wie z.B. die Monokultur von Fichtenwäldern. Diese Fehler versucht man heute zu vermeiden und zu korrigieren.
Die weitere Entwicklung des Waldes ist heute im Rahmen der klimatischen Änderungen aber auch der raschen weltweiten Verschleppungen von Schädlingen und Krankheiten schwierig abzuschätzen. Die größtmögliche Resilienz bietet eine möglichst breite Mischung der Baumarten. Dabei hilft es auch aus dem großen Reichtum der amerikanischen Baumarten zu schöpfen. Anders als in Europa verlaufen in Nordamerika die Gebirgszüge in Nord-Süd-Richtung, so dass der Wald der Eiszeit elastisch ausweichen konnte. Zur Stabilisierung unserer Wälder werden heute in unseren Forsten z.B. gerne Douglasien aus dem Westen Amerikas oder auch Rotbuchen aus dem Osten als wertvolle robuste Baumarten angepflanzt.
An verschiedenen Haltepunkten hat uns Karl-Walter Jung die Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten einzelner Baumarten aber auch die unterschiedlichen Waldbewirtschaftungsarten ausführlich erläutert.
Jeweils gestärkt durch einen Fingerhut Marille ging es dann weiter zur nächsten Station. Als Ausklang trafen wir uns zu einem gemeinsamen Mittagessen in der Alten Schule in Berghausen
An Förster Karl-Walter Jung ein ganz herzliches Dankeschön für diesen interessanten Vormittag.
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